Gucken ja, nicht Anfassen – das wird gerade nach dem einen oder anderen Glas zu viel gern mal ignoriert, und schon landet die Hand eines wildfremden Typen auf deinem Hintern. Sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe sind gerade beim Feiern Alltag für viele Mädels, aber auch Jungs. Mit einer besonderen Tour zum Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Bierdeckel „Nein zu Gewalt an Frauen – Ja zu Respekt“ macht das Frauenbüro am Samstag darauf aufmerksam.

Harvey Weinstein, Kevin Spacey und viele Hollywood-Größen sehen sich derzeit dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Macht benutz zu haben, um sich sexuell an anderen zu vergehen. Mit dem Hashtag #MeToo zeigen Betroffene weltweit, dass Sexismus und Machtmissbrauch nicht mehr toleriert werden. Doch das ist kein Phänomen, dass sich auf Stars beschränkt.

Jedes Wochenende erleben Mädels, dass sie angegrabscht werden, „aus Versehen“ die Hand eines Wildfremden auf ihrem Hintern landet oder sie mit sexistischen Sprüchen dumm angemacht werden. Viele von uns haben ein dickes Fell und wischen das beiseite, aber das macht es noch nicht okay. Das Frauenbüro Fulda hat sich eine besondere Kneipentour überlegt, um auf das Thema aufmerksam zu machen, dafür zu sensibilisieren. Sie haben eine Bierdeckel drucken lassen, der in Fuldaer Bars beim Feiern daran erinnern soll, was sich gehört. „Nein zu Gewalt an Frauen – Ja zu Respekt“, steht darauf. Und mit einer Kneipentour bringen sie ihn am Samstag unters Volk.

Respekt für andere

„Wir wollen den Tag gegen Gewalt an Frauen zum Anlass nehmen, um auf die oft verschwiegene, unbekanntere Gewalt aufmerksam zu machen“, sagt Katharina Roßbach, Leiterin des Frauenbüros Fulda. „Die Erfahrungen sexualisierter Gewalt machen Frauen in Kneipen, im Bus, auch im Freundeskreis immer wieder. Wir wollen die Menschen ein wenig zum Nachdenken anregen.“ Die Kneipiers in Fulda fanden die Idee sofort klasse, sagt Katharina Roßbach. „Sie beobachten das in ihren Läden immer wieder und waren sofort sehr offen, sich an der Aktion zu beteiligen.“

Natürlich, sagt sie auch, ist Fulda kein gefährliches Pflaster, wo Frauen sich nachts nicht allein vor die Tür trauen dürfen. Aber darum gehe es auch nicht. Es gehe um die kleinen Dinge wie sexualisierte Sprüche im Alltag, zum Beispiel taxierende Blicke im Bus, in der Disco, beim Sport, angedeutete sexuelle Geräusche oder Gesten, unangemessener Körperkontakt, unerwünschtes Berühren, Umarmen, Küssen, Streicheln, Anfassen.

Was viele ignorieren oder ihnen auch nicht bewusst ist: Laut unserem Strafgesetzbuch ist sexuelle Belästigung eine Straftat, die mit Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet wird. Und das fängt eben nicht erst bei einer Vergewaltigung an.

Parallel startet das Frauenbüro auf der Homepage der Stadt eine Aufklärungskampagne mit Informationen, wie man sich als Frau wehren, wie man als Freund oder Beobachter eingreifen kann.

Kneiptentour

Die Kneipentour startet am Samstag, 25. November, um 19 Uhr am Frauenbüro (Schlossstraße 4-6, Fulda). Alle, die Lust auf einen spannenden Kneipenabend haben, sind herzlich eingeladen – nicht nur Frauen.

Diese Kneipen sind dabei:

Zum Eck
Krokodil
Alte Schule
McMüller
Heimat
Hohmanns Brauhaus
Rädchen
Spitzbub
Wiesenmühle
Doppeldecker
Stadtwächter
Löwe
Sonne

Was kannst du machen?

Position beziehen statt Wegschauen

Sexualisierte Gewalt geht uns alle an und sollte in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Also lass es nicht stehen, wenn sich jemand falsch verhält, lach nicht mit, schau nicht weg. Hör auf dein Bauchgefühl. Wer Opfer solcher Gewalt wird, sollten eine uneingeschränkte gesellschaftliche Ächtung dieser Gewalt erfahren. Sie sollten sich sicher sein können, Solidarität und Unterstützung zu bekommen, anstatt auf Schuldzuweisungen oder Vorurteile zu treffen.

Wie reagierst du richtig?

    • Schau hin. Protestiere. Mache andere darauf aufmerksam. Der Täter/die Täterin kann dadurch unsicher werden, sich selbst erschrecken und hört oft einfach auf.
    • Animiere durch konkrete Ansprache Helferinnen und Helfer!
    • Selbstschutz geht vor. Wenn du das Gefühl hast, du könntest selbst angegriffen werden, wenn du eingreifst, ruf die Polizei.
    • Konzentriere deine Hilfe auf das Opfer, nicht auf den Täter/die Täterin. Wenn du den Täter/die Täterin angreifst, kannst du dich und das Opfer gefährden. Frag das Opfer, wie du helfen kannst/sollst und höre darauf, was sie oder er sagt.
    • Stelle sicher, dass das Opfer den Ort sicher verlassen kann und — wenn nötig —
      medizinisch versorgt wird.
    • Mach eine Aussage! Wenn du die Polizei rufst, hab keine Angst davor, als Zeuge zu fungieren.
    • Mach Fotos oder Videos mit dem Smartphone. Das dient als Beweis. Aber: Hilfe geht vor! Erst sicherstellen, dass dem Opfer geholfen wird, dann mitfilmen.

Was tun, wenn du selbst von einem sexuellen Übergriff betroffen bist?

In jedem Fall ist es wichtig, den Vorfall nicht schamvoll zu verschweigen. Niemand hat das
Recht, einem anderen Menschen gegenüber Gewalt anzuwenden!

  • Setze klare Grenzen (verbal/nonverbal).
  • Stelle Öffentlichkeit her (z.B. durch (an)schreien). Bitte Personen in der Nähe um Hilfe oder darum, Hilfe zu rufen.
  • Bewege dich, soweit möglich, aus der Gefahrenzone heraus.
  • Suche die Nähe und den Schutz anderer Personen.
  • Hole dir Hilfe und Unterstützung. In Fulda ist beispielsweise die Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt gegen Frauen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) für dich da.
  • Bei Verletzungen: Geh zum Arzt! Zusätzlich kannst du deine Verletzungen in der Schutzambulanz Fulda gerichtsverwertbar dokumentieren lassen. Auch wenn du keine Anzeige erstatten möchtest oder Bedenkzeit benötigst, sind deine Verletzungen dokumentiert. Nach einer Vergewaltigung findest du im Krankenhaus medizinische Hilfe. Schäme dich nicht, lass dich behandeln. Auf Wunsch ist eine vertrauliche Spurensicherung auch ohne Anzeige möglich. Sprich deine Ärztin oder deinen Arzt darauf an.
QuelleFoto: Florian Arpe
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.