„Nein zu Gewalt an Frauen. Ja zu Respekt!“ – Zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen lud das Frauenbüro der Stadt Fulda am Samstag zu einer besonderen Kneipentour ein. Wir waren dabei.

Ich stehe an der Theke und warte darauf, bis der Barkeeper Zeit für mich findet. Von der Seite schlägt mir eine Bier-Whiskey-Wolke entgegen, die ich mit Mühe zu ignorieren versuche. Was mir gelingt, bis der Typ, der die Wolke verursacht, seinen Arm um meine Schulter legt und mir ins Ohr lallt: „Hey Süße, soll ich das mal für dich übernehmen?“

Eine Situation, wie ich sie so und so ähnlich schon erlebt habe. Ist das Gewalt? Nein. Auch die Hand, die sich im Vorbeigehen gern mal auf einen Hintern verirrt – ganz aus Versehen natürlich -, kann man nicht als Akt der Gewalt bezeichnen. Aber es ist absolut daneben. Sexualisierte Gewalt, Grenzen überschreiten, Belästigung.

Mit einer ungewöhnlichen Kneipentour wollte das Frauenbüro Fulda am Samstag zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen auf diese Grenzüberschreitungen aufmerksam machen. Frauenbüroleiterin Katharina Roßbach und ihr Team haben Bierdeckel mit dem Slogan „Nein zu Gewalt an Frauen. Ja zu Respekt!“ drucken lassen und verteilten diese mit vielen freiwilligen Mädels in elf teilnehmenden Kneipen in der Innenstadt. „Wir machen jedes Jahr auf den Tag aufmerksam, indem wir die Flagge an der Stadtwache hissen. Aber dieses Mal wollten wir dorthin gehen, wo gerade Alltagsgewalt und sexualisierte Gewalt wie unerwünschte Berührungen stattfinden: in Kneipen“, erklärt Katharina Roßbach.

Und dort kam die Aktion im Vorfeld schon sehr gut an. Das Frauenbüro hatte bei vielen Fuldaer Wirten angefragt und rannte offene Türen ein. Bei unserem ersten Stopp an diesem Abend, im „Goldenen Rad“, wurden wir vom Team bereits erwartet. Jeder Mitarbeiter hatte an diesem Abend ein Shirt mit der Aufschrift „Nein zu Gewalt an Frauen. Ja zu Respekt!“ an. „Wir finden das Thema generell sehr wichtig“, sagt Katharina Bazan vom Rädchen. „Gerade ungewolltes Berühren und ähnliches wird von vielen schnell abgetan. Aber mit dieser Aktion wird für die Grenzen sensibilisiert.“

Eine Selbstverständlichkeit

Auch Felix Wessling ist mit seinen Gaststätten „Löwe“, „Alte Schule“ und „Heimat“ am Start. „Ich finde das selbstverständlich. Das ist ein starkes Statement, sehr wichtig. Da habe ich gar nicht lange drüber nachdenken müssen“, sagt er. Als Kneipier beobachte er respektloses Verhalten immer mal. „Wir werden auch von unseren Gästen angesprochen und machen uns Gedanken, was mit unserem Personal ist, wenn die nachts nach Hause gehen. Zum Glück ist es kein ganz so massives Thema in Fulda, aber es ist ein Thema. Leider.“

Celina Irrling ist Studentin und schloss sich der Tour mit einigen anderen Mädels an. In jeder der elf teilnehmenden Kneipen gingen sie offen auf die Gäste zu, erklärten die Aktion und verteilten die Bierdeckel. „Das Feedback ist bisher sehr positiv“, sagt die 23-Jährige. „Ein Herr meinte, eigentlich sollte jeder Tag ein Tag gegen Gewalt sein. Das sei selbstverständlich.“

Einige Gäste reagierten etwas irritiert, viele wussten nicht, dass dieser Tag ist. Doch die Bierdeckel sind Hingucker. Und anders als Flyer werden sie direkt benutzt und finden so Beachtung.

Natürlich ist Fulda kein Pflaster, wo Frau sich nicht allein aus dem Haus trauen darf. Und natürlich betrifft sexualisierte Alltagsgewalt nicht nur Frauen. „Der Punkt ist, darauf aufmerksam zu machen, dafür zu sensibilisieren, was nicht okay ist“, sagt Elvira Idt vom Hessischen Netzwerk gegen Gewalt im Polizeipräsidium Osthessen. „Ich glaube, in dem Bereich gibt es ein Dunkelfeld, das gar nicht erst zur Anzeige kommt. Viele Betroffene denken sich vielleicht: Was bringt das denn? Die Aktion zeigt auch, wo es Hilfen gibt, Ansprechpartner, Tipps, wie man sich verhalten kann. Und ja, nicht alles ist strafbar. Aber nur weil etwas nicht strafbar ist, ist es nicht okay.“

Wie reagiere ich richtig? Wo finde ich Hilfe?

Das Frauenbüro hat gemeinsam mit dem Netzwerk gegen Gewalt ausführliche Informationen und Tipps zum Thema zusammengestellt.

QuelleFotos: Felix Weigl, Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.