Meinungsfreiheit –  was heißt das eigentlich? Und wie wichtig ist sie Jugendlichen? Fragen, mit denen sich im Sommer 30 deutsche und französischen Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren eine Woche lang im Jugendcamp „Du hast das Wort – Tu as la parole“ beschäftigt haben. Organisiert hat das der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit dem mediacampus frankfurt. Auf der Buchmesse diskutierten vier Teilnehmerinnen des Camps weiter, wir haben hier die 17-jährige Anna Wittmann aus Neustadt an der Weinstraße getroffen, die davon begeistert war.

„Meinungsfreiheit bedeutet auch, zu entdecken, was andere denken. Und das ist spannend.“ – So ein Jugendlicher in dem Film, den sie während des Camps produziert haben. Anna hat nicht an dem Film mitgewirkt, sie hat in der Online-Gruppe Texte für börsenblatt.net geschrieben. Außerdem macht sie seit zwei Jahren bei „Jugend debattiert“ mit. Was sie aus dem Camp für sich mitnimmt, hat sie uns verraten.

Wie hast du das Jugendcamp erlebt?

Es war super cool, mit Jugendlichen zu diskutieren, die sich auch für Meinungsfreiheit interessieren. Diesen kann ich das nur empfehlen. Außerdem hat mich überrascht, dass die Sprachbarrieren doch nicht so groß waren, mehr als Schulkenntnisse habe ich in Französisch nicht, aber jeder hat sich Mühe gegeben, dass der andere einen versteht.

Was nimmst du für dich mit aus dem Camp?

Dass auch länderübergreifend viele Jugendliche ähnliche politische Ansichten haben. Unterschiedlich ist aber zum Beispiel, wie wir Deutschen über Kanzlerin Merkel reden und wie die Franzosen über Emmanuel Macron – die Kritik ist da krasser. Auch der Wahlkampf war hier viel moderater als in Frankreich.

Auch krasse Kritik gehört zur Meinungsfreiheit – was bedeutet sie für dich?

Man sollte sagen können, was man denkt, ohne Angst haben zu müssen. Sehr wichtig für die Meinungsfreiheit ist aber auch das Zuhören und Verstehen, um richtig debattieren zu können.

Meinungsfreiheit ist ja in weiten Teilen der Welt längst keine Selbstverständlichkeit. Glaubst du, sie ist bei uns in Gefahr?

Teilweise schon. Wenn Leute sich nicht mehr trauen, ihre vielleicht kontroverse Meinung zu sagen, weil sie Angst haben, als Rechter abgestempelt zu werden, ist das bedenklich. Auch Fake News bedrohen natürlich die Meinungsfreiheit, weil viele Jugendliche die Nachrichten nicht mehr prüfen.

Sollten sich Jugendliche mehr mit ihr beschäftigen, sich für sie einsetzen?

Auf jeden Fall. Weil sich einfach viele Jugendliche nicht für Politik interessieren, sollten die, die sich dafür interessieren, intensiver dazu motivieren und anstoßen.

Wie erlebst du denn Jugendliche in deinem näheren Umfeld, wenn ihr über solche Themen redet?

Vielen ist es oft zu anstrengend, und sie sagen dann: „Lasst uns über was anderes reden!“ Wenn wir aber rechtsradikale Meinungen aufschnappen, gehen wir direkt dagegen vor und reden mit demjenigen.

Außerdem war die Schriftstellerin Tanja Kinkel, die sich für die Freiheit des Wortes stark macht, bei der Gesprächsrunde auf der Buchmesse „Meinungsfreiheit und Diskussionskultur bei Jugendlichen in Europa“ dabei. Sie sei schwer beeindruckt gewesen, wie interessiert und beständig die Jugendlichen im Camp bei der Sache waren – das sei nicht selbstverständlich.

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