Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets – also neuer Kram – auf den Markt. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß heraus und geben unseren Senf dazu. Diese Woche haben wir das Abenteuer-Brettspiel „A Tale of Pirates“ und die neue Platte von Daniel Wirtz „Die fünfte Dimension“ für dich.

„A Tale of Pirates“: ARRRRGHH!

Stell dir vor, du segelst über die Weltmeere, enterst fremde Schiffe und erbeutest edelste Schätze … Ach ja, spätestens seit „Fluch der Karibik“ hat doch jeder schon mal insgeheim darüber nachgedacht, wie viel Pirat in ihm steckt. Für eine Runde „A Tale of Pirates“ von Cranio Creations kannst du schon mal die Augenklappe anschnallen.

Worum geht es? Ihr seid eine Mannschaft Piraten. Ihr wurdet von der spanischen Armada gefangengenommen, doch ihr könnt fliehen und schafft es, euer Schiff zurückzuerobern. Jetzt müsst ihr nur noch aus dem Hafen entkommen, um volle Fahrt voraus dem nächsten Raubzug entgegensegeln zu können. Das ist die Aufgabe der ersten Mission. Denn das Spiel ist in zehn Missionen unterteilt, die du mit deinen Mitspielern gemeinsam bestehen musst.

Das Spielfeld ist ein wirkliches Schiff. Das allein ist schon ziemlich cool. Die Spielfiguren sind Sanduhren. Um das Schiff herum – im Meer – liegen verdeckt Hinderniskarten. Das können andere Schiffe, Passagen, Felsen oder Nebelbänke sein. Die Missionen werden über eine Smartphoneapp gesteuert. Startet eine Mission, platzieren alle Crewmitglieder zeitgleich ihre Sanduhr auf dem Schiff, und zwar in dafür vorgesehenen Handlungsslots. So kann einer vom Ausguck aus über das Meer schauen und eine Hinderniskarte aufdecken. Einer kann die Kanonen beladen, einer die Segel hissen, das Steuerrad muss bedient, die Kanonen betätigt werden. Auf einem Piratenschiff ist eben viel zu tun.

Platzierst du deine Sanduhr nun beispielsweise im Ausguck, musst du warten, bis der Sand durch die Uhr gelaufen ist, bevor du deine Aktion ausführen darfst. Damit das Schiff jetzt nicht in reinem Chaos versinkt, müsst ihr genau absprechen, welche Aktionen wer wann macht, damit nicht die Kanone abgefeuert wird, bevor sie beladen werden konnte, damit euer Schiff nicht vor einer Passage stehenbleibt, weil der für das Segel zuständige Pirat noch in der Mittagspause ist und so weiter. Wird euer stolzer Kutter doch mal von einem Gegner getroffen, werden die Handlungsfelder auf der beschädigten Schiffsseite mit Korken verstopft, sind also nicht mehr verfügbar, bis sie von einem Crewmitglied repariert werden.

Das klingt nach Chaos. Ist es auch. Und genau das macht so viel Spaß an dem Spiel. Genau wie die Piraten, die jahrelang gefangen und daher nicht auf ihrem Schiff waren, lernst du von Mission zu Mission besser, dich mit deiner Crew abzustimmen. Und natürlich kommen von Mission zu Mission neue Herausforderungen und Fähigkeiten hinzu. So kannst du irgendwann andere Schiffe entern und Schätze erobern, wie sich das für einen guten Piraten gehört.

Jedes Kapitel kommt in einem eigenen eingeschweißten Kartenpaket, damit die Überraschung nicht verdorben wird.

Das Spiel ist bisher nur auf Englisch und Italienisch angekündigt. Wann eine Deutsche Version erscheint, konnten die Entwickler noch nicht sagen. Aber das ist kein Problem. Denn eigentlich brauchst du nicht viele Sprachkenntnisse, um losspielen zu können. Die App, die die Missionen leitet, gibt vor jeder Runde genau vor, welche Karten im Spiel sind, wie das Feld aufgebaut wird und welche Aktionen du machen kannst. Die Texte sind kurz, kann man sich also gut vor jeder Mission übersetzen. Während des Spiels spricht man ja eh nur mit seinen Mitspielern, auf den Karten gibt es nur Symbole. Die App gibt euch die Zeit vor, die ihr für eine Mission brauchen dürft, macht Tonsignale, wenn die letzte Minute anbricht und streut ab und an unerwartete Ereignisse ein.

Mein Fazit

Ich liebe es. Mal abgesehen davon, dass ich das Spielthema super finde, macht „A Tale of Pirates“ vieles richtig. Die Aktionen passen super zum Piratenschiff, das Panikgefühl, dass gerade kurz vor Ende einer Mission aufkommt, ist super, das Zusammenspiel mit der Crew ist gut ausbalanciert. Wer noch kein kooperatives Abenteuer gespielt hat, wird mit diesem eine Menge Spaß haben. Auch wenn zehn Missionen erst mal nicht nach viel klingt, du wirst mehr als zwei oder drei Spieleabende brauchen, um die Piratenabenteuer durch zu haben. Jede Mission ist in mindestens zwei Runden unterteilt, und du wirst einige Male scheitern. Versprochen.

Wer bereits Spiele wie „Space Alert“ hat, die tiefer in den Abenteuermodus eintauchen, findet bei „A Tale of Pirates“ nicht viel Neues – mal abgesehen von der App. Das Piratenspiel ist schneller lernbar und weniger kompliziert. Aber auch damit kann man locker einige Stunden durchzocken, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht.

„A Tale of Pirates“
2 bis 4 Spieler
etwa 30 Minuten (pro Mission)
ca. 40 Euro (die italienische Version kostet beim Hersteller 39,95 Euro, die Englische ist bisher nur angekündigt)

Farbe bekennen ganz in Schwarz-Weiß

Die Frankfurter Rocksau ist zurück, und Junge, ist diese Platte fantastisch. Ja, Daniel Wirtz‘ Album „Die fünfte Dimension“ wäre eigentlich was für den heißen Scheiß in der vergangenen Woche gewesen, weil das Album bereits am 17. November erschienen ist. Aber was lange wärt … Nun ja.

Gleich die erste Nummer, nach der auch das Album benannt ist, haut uns die geballte Ladung Wirtz auf die Ohren. „Gibt es ’nen Gott, oder gibt es keinen? Ist die Hölle schon voll, oder pass‘ ich noch rein? Werd‘ ich geliebt, oder bin ich alleine? Und kann man völlig außer sich doch eigentlich ganz insgeheim ganz bei sich sein?“ sind die ersten Zeilen, und die versprechen, was in den zwölf Songs in jeder einzelnen Note gehalten wird.

Daniel Wirtz hält unserer Welt aber auch sich selbst einen schonungslosen Spiegel vor – wortgewaltig, dreckig und ehrlich. Das kann er, das erwarten wir von ihm. Doch in jeder harten Hülle steckt ein weicher Kern, den er bei Titeln wie „Liebe“ oder „Für die Ewigkeit“ zeigt, ohne kitschig zu werden. „Gib mich nicht auf“ sticht in meinen Ohren heraus, eine Hymne für alle, die wissen, was es heißt, auf die Fresse zu fliegen, die ganz tief unter die Haut kriecht.

Dass hinter dem Rocker auch ein Familienmensch steckt, lässt er in „Weil ich dich mag“ durchblicken. Nein, Wirtz schwallt seine Hörer jetzt nicht mit Mein-Kind-ist-so-süß-Geschnulze zu, sondern hat eine Frisch-gebackene-Eltern-Rocknummer geschrieben, die keine rosaroten Wolken malt.

Scheiß auf Menschen-Leben-Tanzen-Welt, das hier ist Mucke mit richtig Tiefgang.

QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.