Kennst du schon ..? Jede Woche kommen neue Alben, Bücher, Serien, Filme, Gadgets – also neuer Kram – auf den Markt. Wir picken uns aus Neuerscheinungen den besonders heißen Scheiß heraus und geben unseren Senf dazu. Diese Woche haben wir die Miniserie „Bruder – Schwarze Macht“ und das neue Album von Fjørt „Couleur“ für dich.

„Bruder – Schwarze Macht“: Über den Salafismus zum Terrorismus

Was ist das nur für ein Mann? Dieser Baris? Einer, der auf strenggläubigen Muslim macht, im entscheidenden Moment aber mehr oder weniger unverblümt sagt, dass der Glaube an Allah im Kampf gegen die Kuffar, die Ungläubigen, die Christen alleine nichts helfe. Melih und Tobi könnten in diesem Moment stutzig werden, den Notausgang nehmen. Doch da scheint es schon zu spät. Baris, ehemaliger Musikproduzent, hat ihren Willen gebrochen. Für ihn sollen sie Ungläubige töten.

Melih, Tobi und Baris gehören zu den entscheidenden Charakteren der Miniserie „Bruder – Schwarze Macht“, die seit ein paar Wochen sonntags auf ZDFneo läuft und in der Mediathek des ZDF abrufbar ist. Sie schildert, wie zwei Jungs aus Hamburg erst in die Salafistenszene, dann in den Terrorismus abdriften.

Melih ist für die Salafisten ein leichtes Opfer. Das Abi hat er zwar in der Tasche. Geld verdient er aber als Kleinkrimineller. Er ist nicht angekommen im Leben. Befindet sich im Spannungsfeld seiner konservativen türkischen Mutter und seiner Schwester Sibel, die als Polizisten arbeitet und laut Mutter „deutscher als die Deutschen“ ist.

Die Diskriminierung, die Melih im Alltag erlebt, lässt ihn anfangs kalt. Nicht in den Club kommen, während sein Kumpel Tobi kein Problem gehabt hätte: ärgerlich, aber schnell vergessen. Als ein Kollege seiner Schwester ihn bei einer Kontrolle grundlos zusammenschlägt und ihn wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt festnimmt, beginnt Melihs Welt zu bröckeln. Vor allem, weil Sibel ihm abrät, einen Anwalt zu rufen.

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André (Mitte) hat Melih grundlos übel zugerichtet. (Foto: ZDF und Gordon Timpen)

In den Fängen des Hasspredigers

Melih findet Halt in der Al Shabba Moschee, die Tobi bereits länger besucht. Dort predigt der Salafist Abu Nour, der mit bürgerlichem Namen Philipp heißt. Anfangs ist Melih skeptisch. An sich ist er nicht sonderlich streng gläubig. Doch Abu Nour umgarnt ihn. Nimmt Melih scheinbar unvoreingenommen in seine Gemeinde auf, schenkt ihm Orientierung, Anerkennung.

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Noch weiß Melih nicht, dass Imam Abu Nour Salafist ist. (ZDF und Gordon Timpen )

Daheim kracht es nun ordentlich. Melih kommt bei Baris unter. Dort lebt Tobi bereits. Baris trimmt beide für den Kampf gegen die Ungläubigen. Mit Krafttraining, Jogging, Liegestürzte und Schießtraining – und mit Videos, die vermeintliche Kreigsverbrechen an Muslime zeigen. Melih und Tobi sind zunehmend angefixt. Sie wollen als Krieger nach Syrien reisen, für das sogenannte Kalifat in den Krieg ziehen.

Kurz vor dem Massenmord

Baris bringt Melih und Tobi schließlich in eine Terror-WG in Hamburg. Dort soll Ali sie auf ihren Einsatz vorbereiten. Statt im Kalifat zu kämpfen, sollen die Jungs in einem Kino eine Bombe zünden.

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Sibel hat Melih am Grab des Vaters gefunden. (Foto: ZDF und Gordon Timpen)

Melihs Weg scheint unumkehrbar in den Massenmord zu führen. Am Grab ihres gemeinsamen Vaters versucht Sibel, ihn zur Aufgabe zu bewegen. Ob ihr das glückt? Das erfährst du am kommenden Sonntag (19.11.2017). Dann strahlt ZDFneo die vierte und letzte Folge der Miniserie aus. Oder du schaust die Folgen in der Mediathek an.

Farbe bekennen ganz in Schwarz-Weiß

Fjørt liefern mit „Couleur“ ein politisches Album mit viel Durchschlagskraft

Fjørt macht Musik, die zugegebenermaßen nichts für jedermann ist. Dabei lohnt es sich, nicht vor der schreienden Stimme zurückzuschrecken – sondern ihr zuzuhören. „Couleur“ (Grand Hotel van Cleef) ist voller sprachlicher Bilder, eindringlicher Passagen und Fragen, die hängenbleiben.

Von Sophia Reddig

Wohin soll die Reise gehen? Nicht mal ein Jahr ist es her, dass die Post-Hardcore-Band aus Aachen ihre Fans mit „Kontakt“ begeistert hat. Gleich darauf ging es für das Trio wieder ins Studio. Am 17. November erscheint nun das vierte Studioalbum der Band: „Couleur“. Und die Richtung steht fest: „Rückwärts war nie vorgesehen“, heißt es bereits im ersten der insgesamt elf Songs „Südwärts“.

Diese klare Linie ist auch in den anderen Liedern erkennbar. Es geht nach vorne: Treibende Rhythmen, brutale Riffs, eine Stimme, die wachrütteln will. Lieder wie „Couleur“ und „Raison“ beschäftigen sich mit rechtsradikalen Strömungen, einem Volk, was geschwiegen hat und nun die Chance hat, den Mund aufzumachen.

Sprachlich zieht Fjørt mal wieder alle Register: „Ich habe dich dabei erwischt, wie du majestätisch Leinwände füllst mit diesem wunderschönen ersten Pinselstrich.“ „Ich bin so müde vom Zählen, ich habe 1933 Gründe schwarz zu sehen.“ „Heißt sterben, uns zu kennen?“

Andererseits enttäuschen einzelne Passagen mit plump klingenden Reimen: „Traurig, aber wahr. Warum war ich jetzt noch einmal da?“ oder „Ich kenn mich hier nicht aus, und ganz wichtig: Wo geht´s denn jetzt hier wieder raus?“ müssen wirklich nicht sein.

Ja, das waren jetzt viele Zitate, aber eine Fjørt-Rezension ohne Zitate ist so sinnlos wie ein Musikvideo ohne Musik.

Apropos Musikvideo: Absolut sehenswert sind auch die Clips zu „Couleur“ und „Magnifique“.

Nach den Videos zu „Lebwohl“ und „Lichterloh“ ist das allerdings auch keine große Überraschung. Tiefsinnig, schwer, stimmungsvoll und eindringlich berühren Musik und Bilder gleichermaßen.

„Will denn hier irgendwer zurück?“, fragt Frontmann Chris in „Eden“. Wer „Couleur“ hört, wird diese Frage mit „Nein“ beantworten.

QuelleZDF und Gordon Timpen
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Seit August 2016: Redakteur bei move36-Reportage // Oktober 2014 bis September 2016: Redakteur bei fuldaerzeitung.de // April 2013 bis September 2014: Volontär bei Focus Online // Master of Arts Journalismus (Johannes Gutenberg Universität Mainz) // Diplom-Volkswirt (Julius Maximilians Universität Würzburg)