„Was ich am Totensonntag mache, weiß ich seit 22 Jahren sehr genau.“ Seit 22 Jahren lädt die Schulleiterin der Richard-Müller-Schule, Claudia Hümmler-Hille mit ihrem Team Autoren, Bücherwürmer und Literaturfans am Totensonntag zum Auftakt von „Literatur im November“. Am Montag und Dienstag touren die teilnehmenden Autoren mit ihren Geschichten durch Fuldaer Schulen.

Ein Buch, das ist nicht nur ein Bündel Papier mit Worten. In Büchern verstecken sich spannende Geschichten, mitreißende Erlebnisse, tolle Figuren, die von Lesern entdeckt werden wollen. Die Lust zum Lesen in ihren Schülern zu wecken, das haben sich die Organisatoren der Lesewoche „Literatur im November“ auf die Fahnen geschrieben. Und auch am Wochenende war die neue Location, die Mensa der Schule, festlich geschmückt und bis auf den letzten Platz gefüllt.

Nach den Grußworten von Dr. Michael Imhof (Verein Zukunft Bildung Region Fulda), Bürgermeister Dag Wehner und Claudia Hümmler-Hille ging es auch schon mitten rein in die neuesten Geschichten der Autoren. „Seine Bücher haben eine Echtheitsgarantie“, stellte Jutta Sporer den einzigen Mann in der Leserunde, Hans-Jürgen Feldhaus vor. Denn viele Titel des Kinder- und Jugendbuchautoren eint das „echt“. „Echt fertig“, „Echt krank“, „Echt durchgeknallt“ … „Sobald man die echt guten Bücher aufschlägt, findet man das beeindruckende Ergebnis der vielfältigen Fähigkeiten dieses Autoren“, sagt Jutta Sporer. Am Sonntag hatte Hans-Jürgen Feldhaus aber zur Abwechslung kein „Echt“-Buch im Gepäck, sondern nahm die Zuhörer mit zu Quinn und Spencer aus „Genial verzockt“, um den Fragen nachzugehen, wie man mit einer Handvoll verschrumpelter Beeren, einem Sack Brennnesseln und Waldknoblauch eine vollwertige Mahlzeit zubereiten kann und wieso Laub und Eichhörnchenmilch kein Cornflakes-Ersatz sind.

„Wer nicht vom Weg abkommt, der bleibt auf der Strecke“, soll Iris Lemanczyk mal in einem Interview gesagt haben. Sie komme oft und sehr gern vom Weg ab, müsse sie auch, denn seit dem Studium hat sie eine Wette mit einer Kommilitonin laufen, erzählt Lehrer Stefan Theiner über die Reisebuchautorin. Wer bis zum 60. Lebensjahr die meisten Sehenswürdigkeiten besucht habe, gewinne eine Überraschung. „Ich verliere“, rief Iris Lemanczyk dazwischen, bevor sie die Besucher mit auf einen Kurztripp in den Iran nimmt, mit zu Modern-Talking-Musik-liebenden Taxifahrern – „Wirklich jeder im Iran findet Modern Talking gut.“ – und zum Bäcker – „Und plötzlich weißt mich jemand darauf hin, dass ich in der falschen Schlange stehe. In der Männer-Schlange.“

Von den Fettnäpfchen fremder Kulturen ging es mit Bettina Obrecht in eine ganz andere Fremde. Mit Hund P.F.O.T.E., dem perfekten Hund – im Labor gezüchtet, bellt nur einmal am Tag, es sei denn ein Einbrecher kommt -, flüchten wir durch die große Stadt. Hier freundet sich P.F.O.T.E. mit einer Katze an, muss sich vor Tapfeins, kurz für „Tapferer einsamer Wolf“, dem Mops verteidigen und steht vor der Frage, ob ein perfekter Hund ganz ohne Mensch leben kann und will.

Mit Sylvia Schopf verbinde sie so einiges, stellt Claudia Hümmler-Hille die vierte Autorin des Abends vor. Die Schauspielerin, Autorin und Hörfunkjournalistin war vor 20 Jahren zum ersten Mal bei der Schultheaterwerkstatt dabei gewesen, ergänzte diese ihre Verbundenheit zu Fulda. Sie hatte gleich zwei Stücke für den literarischen Abend vorbereitet. Zum einen stellte sie eine ihrer Charaktere – Peppi Pepperoni – vor. Nein, sie las nicht aus dem Buch, in dem erzählt wird, wie Peppi versucht, beim Umzug zu helfen und dabei nicht nur ihr Zimmer unter Wasser setzt. Sylvia Schopf spielte diese Geschichte. Auch aus ihren Klassik-Bearbeitungen hatte sie einen Auszug dabei, den „Der Feuerreiter“.

Ein Fotoapparat habe sie zum Schreiben gebracht, erzählt Lehrer Torsten Schumacher über Antje Wagner. Oder besser das Fehlen eines solchen, denn weil sie einmal eben keinen Fotoapparat dabei hatte, habe die Autorin eben angefangen, Fotos mit Worten zu machen. Aus ihrer Erzählsammlung „Unicorns don’t swim“ brachte Antje Wagner eine skurrile Geschichte mit. Denn plötzlich stand in der Küche ihrer Protagonistin ein großer blauer Drache, wo eben noch ihre Ehefrau gewesen war.

Verbunden wurden die fünf Lesungen – der ebenfalls angekündigte Jens Schumacher ließ sich kurzfristig entschuldigen – durch liebevoll und thematisch passende Musikstücke der Lehrerband „The Richies“ sowie der Schülerin Lilly Schumacher.

Literaturpreis der Stadt

Der Literaturwoche der Schulen folgten in den vergangenen Jahren viele Intitiativen. Die Herbstlese, die Tatort-Reihe, Literatur im Stadtschloss – Bücher spielen in Fulda eine immer größere Rolle. Das betonte auch Bürgermeister Dag Wehner zu Beginn des Abends und kündigte an, dass die Stadt anlässlich des Stadtjubiläums „1275 Jahre Fulda“ erstmalig einen eigenen Literaturpreis ausloben wird. Eine tolle Chance für junge Autoren.

QuelleFotos: Mariana Friedrich
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.