In der aktuellen move36 haben uns drei junge Menschen erzählt, wie es ist, trans* zu sein, wie es ist, sich nicht mit seinem biologischen Geschlecht identifizieren zu können – und wie viel Mut und Kraft es braucht, eine Geschlechtsumwandlung machen zu lassen. Vor allem das Outing am Arbeitsplatz ist für sie nicht einfach. Ein Studie, unterstützt von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, zeigt nun, wie offen, aber auch wie intolerant wir immer noch gegenüber Kollegen sind, die sich outen. 

Erstmals wurden für die Studie auch Bi- und Transsexuelle separat befragt. Seltsam und bedenklich ist, dass diese Gruppen mehr Diskriminierung erfahren und weniger offen sein können als Schwule und Lesben. Warum akzeptiert man Homosexuelle und lehnt gleichzeitig Transsexuellen ab? Unverständlich ist auch, dass Hetero- sowie Homosexuelle Bisexuelle oft gleichermaßen nicht akzeptieren. So sprechen 55,5 Prozent der bisexuellen Beschäftigten mit keinem oder nur wenigen Kollegen über ihre sexuelle Neigung. Und sieben von zehn trans* Menschen sprechen auf der Arbeit nicht über ihre Geschlechtsidentität.

„Die Gesellschaft will noch geschlechtliche Eindeutigkeit“, sagt Studienleiter Dominic Frohn vom Institut für Diversity und Antidiskriminierungsforschung. Insgesamt stehe man beim Umgang mit Bisexuellen dort, wo man bei Homosexuellen vor zehn Jahren war. „Und bei trans* Menschen sind wir dort, wo wir bei lesbischen und schwulen Mitarbeiter/-innen vor zwanzig Jahren waren.“

Über 30 Prozent halten sich bedeckt

Was nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass Homosexuelle noch genauso viel Diskriminierung (76,3 Prozent) erfahren wie 2007. „Eine stärkere Sichtbarkeit erzeugt oft auch eine steigende Gegenbewegung“, erklärt Frohn.

Natürlich offenbaren die fast 3000 befragten queeren Menschen für die Studie „Out im Office?!„, dass auch Fortschritte zu sehen sind: 2007 outeten sich nur 12,7 Prozent der Lesben und Schwulen gegenüber ihren Arbeitskollegen, nun sind es 28,9 Prozent. Über 30 Prozent halten sich jedoch immer noch bedeckt mit ihrer sexuellen Identität, 2007 waren es noch 51,9 Prozent. Chefs sind dabei tendenziell offener, da sie weniger angreifbar seien, so Frohn.

Ein langsamer Prozess

Die Studie zeigt: In Sachen Toleranz hat sich viel getan in Deutschland – sie wirft gleichwohl die Frage auf, warum Homosexuelle mehr akzeptiert werden als Bi- und Transsexuelle. Toleranz ist wohl ein langsamer, gesellschaftlicher Prozess, der mit allem Neuem von vorne beginnt.