In guten und in schlechten Tagen, bis dass der Tod uns scheidet! Ja, das Eheversprechen kennt jeder. Doch kann man sich dieses Versprechen nicht auch ohne Trauschein geben? Vor allem Jugendliche stellen die Ehe zunehmend infrage, doch warum eigentlich?

Ein Kommentar von Samira Berger

Im Jahr 2015 gab es laut Statistischem Bundesamt 14.000 mehr Eheschließungen als noch im Jahr zuvor. Auch die Dauer der Ehen hat sich verlängert. Die Zahl der Scheidungen ist 2016 um knapp 1000 gesunken. Warum kritisieren also einige Jugendlichen die Ehe als nicht mehr zeitgemäß?

Ich habe im Internet nach Gründen gesucht. Doch was ich gefunden habe, ist für mich nicht einleuchtend. Sie sei eine Art Zwang, lese ich oft. Mann und Frau verpflichten sich, bis ans Lebensende treu zu sein und den anderen zu lieben. Doch fragt der Standesbeamte nicht: „Ist dies dein freier Wille?“ Wie kann eine Ehe also als Zwang verstanden werden? In meinen Augen kein schlagkräftiges Argumente gegen die Ehe. Zwangsheirat und arrangierte Ehen, die es leider immer noch gibt, stehen auf einem anderen Blatt.

Verheiratet bedeutet nicht unfrei

Die Ehe ist ein Zeichen der Verbundenheit, die Ringe für die Ewigkeit. Die Partner verbindet nach der Trauung nicht nur die bedingungslose Liebe, sondern ein gemeinsamer Name, Haus, Familie und vielleicht auch schon Kinder. Das Paar teilt sich die Verantwortung, gleichzeitig sorgt man sich intensiver um das Leben des anderen.

Gibt es Stress und Streit, rauft man sich als verheiratetes Paar vermutlich eher wieder zusammen, man trennt sich nicht so leichtfertig, schließlich hat man sich Zusammenhalt und Treue versprochen. Natürlich gibt es auch Paare mit so einer Verbundenheit ohne Trauschein. Doch die Freiheit im Leben, in den Entscheidungen ist hier eine andere. Rücksicht und Verpflichtungen schränken diese in der Ehe eher ein. Doch unfrei ist man deswegen noch lange nicht.

Jeder, wie er möchte

Bei unserer nicht repräsentativen Facebook-Umfrage, ob die Ehe noch zeitgemäß ist, war die Meinung einhellig: Von 33 sagten 31 „Klar, wer sich liebt, sollte auch heiraten“. Gleichwohl wenig überraschend in Fulda. Doch führt diese Diskussion eigentlich irgendwo hin? Nicht mehr zeitgemäß ist kein konkretes Argument gegen die Ehe, sondern eine Luxus-Debatte. Wenn zwei Menschen heiraten wollen, sollen sie das machen. Wer sich nicht binden möchte, eben nicht. Sich aber bei seiner Entscheidung von einer Diskussion über die Modernität der Ehe beeinflussen zu lassen, wäre dumm.

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