Geldpolitik? Rating? Zinssystem? Klingt staubtrocken und öde? Nicht für die 190 Zuhörer, die vergangene Woche dem Fachvortrag von Unternehmensberater Gerold Oechler zum Thema „Kreditvergabe und Ratingsysteme“ in der Mensa der Richard-Müller-Schule lauschten.

Zunächst begrüßte Oberstudienrat Franco Gargano, Abteilungsleiter der Fachschule für Betriebswirtschaft (FfB), die Zuhörer und Referent Gerold Oechler. „Geld spielt in unserer hiesigen Wirtschaftsordnung eine extrem wichtige Rolle spiele“, leitete Gargano  das Thema ein und ergänzte: „Der Zins ist praktisch nicht mehr existent.“ Daher rücke die Suche nach alternativen Investitionsmöglichkeiten verstärkt in den Fokus, dem Rating als Möglichkeit der Risikobewertung komme dabei eine besonders wichtige Bedeutung zu. Damit übergab er das Wort an Oechler.

Oechler sprach den anwesenden Studierenden zunächst seinen Respekt für ihre Wahl des berufsbegleitenden Studiums aus, da er zu Beginn seines Berufslebens in einer ähnlichen Situation gewesen sei und beglückwünschte sie zu ihrer Entscheidung für eine Weiterbildung an der Richard-Müller-Schule.

22 Jahre im Vorstand der VR Bank Schlüchtern-Birstein eG. und seit 2016 selbstständiger Unternehmensberater, gab Oechler den Zuhörern als Szenekenner einen anschaulichen und beispielreichen Einblick in den Beruf des Unternehmensberaters sowie den Themenkomplex Rating.

Er verdeutlichte, wie die Kreditvergabe der Banken funktioniert, welche Rolle dabei das Rating spielt und wie eine Ratingnote zustande kommt. „Jeder sollte sein Rating kennen“, führte der Experte aus, da alle Privatpersonen, wie auch alle Unternehmen, dies für sich abfragen könnten. Oechler betonte, wie „wichtig die eigene unternehmerische Kontoführung“ sei, sowohl für das Unternehmen, in dem die Studierenden beschäftigt seien, für ihr zukünftiges Unternehmen als auch, perspektivisch gesehen, für ihr eigenes Unternehmen. Diese Zusammenhänge machte er den Anwesenden deutlich, mit dem Hinweis, das eigene Kontoverhalten habe „enorme Auswirkungen auf die eigenen Möglichkeiten hinsichtlich der Kreditvergabe und Investitionen“.

Die Einbindung von Kennzahlen aus der Finanzanalyse, die Zusammenhänge und Auswirkungen von Bilanzkennzahlen, die Bedeutung der Eigenkapitalquote und die Cash-flow Liquiditätsbetrachtung als „Mutter aller Betrachtungen“, waren weitere Schwerpunkte seines Vortrags.

Er schloss seinen lehrreichen Vortrag mit zwei Beispiele aus seiner eigenen Beratertätigkeit. Das doch etwas trockene Thema wusste er, unterhaltsam dem jungen Publikum näherzubringen.  So schloss er seinen Vortrag in Anlehnung an Sepp Herberger (ehem. DFB Bundestrainer) mit den Worten: „Die Wahrheit liegt auf dem Konto“.

Im Anschluss tauschte sich die Studierenden mit Herrn Oechler aus und stellten ihm Fragen. Gargano dankte im Namen der FfB dem Referenten für seinen Vortrag sowie ebenfalls der Kollegin Bettina Fleck-Enders, die maßgeblich zur Umsetzung und Organisation dieses Abends beigetragen hatte und gab den Studierenden mit auf den Weg: „Nehmen Sie aus solchen Vorträgen etwas für sich mit!“.